Start: feminismus für jungs?

Wie kam ich als Mann auf das Thema Feminismus?

Während meines Studiums las ich zur Vorbereitung meiner Zwischenprüfung ein Buch zum Thema „Wie gestaltet man guten Gruppenunterricht?“ (leider weiß ich nicht mehr genau, welches). Eines war sehr seltsam: die Anrede. Der Autor schrieb die ganze Zeit Sätze wie „Versuchen Sie als Lehrerin den Arbeitsfluss möglichst ohne Unterbrechung laufen zu lassen“. Ich dachte mir: ICH als Lehrerin? Ich bin doch ein Mann! Wieso schreibt der Autor „Lehrerin“? Hallo! Ich les doch auch dieses Buch, ich bin keine Frau! Ich fühlte mich von diesem Buch nicht angesprochen, nicht ernstgenommen, ja, eigentlich wirklich ausgeschlossen und diskriminiert.

Eines war mir plötzlich klar: Solch eine klare Form des Geschlechts nervt! Aber, warum nervte mich das bei anderen Büchern nie? Nun, da war die Form „Lehrer“, sprich die männliche Form, verwendet worden. An diesem Punkt dachte ich: Oh Gott, bei der Mehrzahl der Bücher, die ich las, muss es sicher allen weiblichen Leserinnen genauso ergangen sein, wie mir bei diesem Buch zum Gruppenunterricht.

Plötzlich stellte ich fest, dass es scheinbar für viele Menschen vollkommen in Ordnung ist, wenn die männliche Form beide Geschlechter meint, für viele, inklusive mir, aber nicht in Ordnung ist, wenn die weibliche Form benutzt wird und impliziert, dass natürlich auch Männer angesprochen sind. Ja wie auch? Ich meine, da stand ganz klar „Lehrerin“. Und genau da ging es los. Frauen muss es doch genau so ergehen, wenn immer nur männliche Formen verwendet werden. Und plötzlich war es wie bei Matrix. Blaue oder rote Pille? Ich nahm die rote und die Welt sah plötzlich ganz anders aus. Überall viel es mir auf: Frauen haben nicht die gleichen Chancen wie Männer, Frauen werden stereotyp behandelt, Frauen werden diskriminiert, jeden Tag, sogar von mir! Dabei wollte ich nie irgendwen bewusst diskriminieren. Genau da lag aber das Problem: bewusst. Ich hatte gar kein Bewusstsein für diese Form der Diskriminierung. Und so ergeht es vielen meiner Artgenossen, Männern wie Frauen. Und das sollte sich meiner Meinung nach ändern.

Wieso kann ein Mann sich für Feminismus einsetzen?

Feminismus hat sich zum Ziel gemacht, auf eine Diskriminierung hinzuweisen und diese zu beseitigen. Dabei hat der Feminismus unglaublich viele Strömungen, gemein ist ihnen aber, dass sie erkannt haben, dass Frauen in der Gesellschaft häufig diskriminiert werden. Diskriminierung ist ein Problem, weil durch sie keine Chancengleichheit herrscht. Das macht Diskriminierung ungerecht und gleichzeitig zu einem Problem, das alle Menschen einer Gesellschaft betrifft.

Werden Menschen dunkler Hautfarbe von Menschen heller Hautfarbe diskriminiert, nennen wir das Rassismus. Wir würden nun aber jedem Mitglied der Gesellschaft eingestehen, gegen diese Form der Diskriminierung vorzugehen, ob nun hell oder dunkel, auch wenn Menschen heller Hautfarbe ja eigentlich die Ursache des Problems darstellen. Aber so leicht ist es gar nicht. Nicht alle Menschen heller Hautfarbe sind schließlich rassistisch. Es ist eher eine Idee oder Ideologie, die von Teilen dieser Menschengruppe entwickelt wurde, um eine andere Gruppe diffamieren zu können.

Beim Feminismus ist das nicht anders. Frauen werden diskriminiert, und zwar durch Männer. Aber nun zu sagen, dass es nun in der Hand der Frauen liegt, dieses Problem zu lösen, wäre kurzsichtig und inkonsequent, schließlich würde auch niemand sagen: „Du mit der dunkleren Hautfarbe. Wenn du dich diskriminiert fühlst, löse das Problem selbst. Mich mit meiner helleren Hautfarbe geht das nichts an, ich kann dich nicht einmal unterstützen, schließlich bin ich ja dein Problem!“ Niemand würde so argumentieren. Normalerweise sind wir alle dankbar, wenn Rassismus bekämpft wird, egal von wem. Nun, beim Feminismus sehe ich das genauso.

Wichtig ist mir Folgendes: Ich will mit diesem Blog einen Zugang zum Thema Feminismus und Gender für Männer schaffen, weil ich denke, dass Feminismus, der von Frauen an manche Männer herangetragen wird, häufig als Bedrohung wahrgenommen wird. Bei mir war es nicht so, aber sei es drum. Ich will Männern zeigen, dass sie dieses Thema genauso angeht, wie Frauen. Ich will ihnen klarmachen, dass Feminismus kein Feind oder keine Feindin ist, sondern eine Notwendigkeit für eine gerechte, also chancengleiche Gesellschaft. Und ich will deutlich machen, dass Feminismus nicht bedeutet, dass der Mann nicht mehr Fußball gucken darf, nicht mehr Bier trinken darf, nicht mehr Chef von irgendwas sein darf oder nicht mehr mit Freunden im Garten grillen darf, sondern dass Feminismus ihnen nur erklärt, dass das nicht Dinge sind, die ER gepachtet hat, sondern, dass jeder Mensch das darf, mit gleichen Chancen.

Feminismus ist cool, er bricht Rollenmuster auf, unter dem beide Geschlechter leiden. Also, give it a chance!

Advertisements

Ein Gedanke zu „Start: feminismus für jungs?

  1. Anmerkung eines Mädchens: Feminismus ist auch für Frauen manchmal abschreckend. Im ersten Moment denkt frau da nämlich an unfrauliche, männerhassende Kurzhaarfrauen in Cargo-Hosen. Stimmt natürlich nicht, aber kein Wunder, dass Männer da noch mehr Berührungsängste haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s