„Und dann wird die schön heulen unter der Dusche“

Derzeit gibt es eine heftige Diskussion über Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die beiden TV-Hoffnungen des ZDF. Viele verstehen die Aufregung gar nicht.

Selbst unter meinen eigenen Facebookfreunden muss ich dann sowas lesen:

Ich will überhaupt nicht behaupten, dass ich jemand bin, der im Normalfall keinen Mundwinkel verzieht, wenn es heißt „Wenn ich Sie wäre“. Ich mag Joko und Klaas sogar, darum mache ich im Normalfall überhaupt keinen Hehl. Und dann kam die Sendung vom 4.10.2012.

„Fass ihr einmal an die Moppelklappen“

Joko und Klaas spielen das beliebte Spiel „Wenn ich Sie wäre“. Mit dem Hinweis auf eine Hostess auf dieser Ausstellung, stellt Klaas Joko die Aufgabe: „Fass ihr einmal an die Moppelklappen und einmal an Arsch!“ Haha, voll lustig. Krass die Mutprobe.

Was hier passiert ist allerdings nicht ein Kleinerjungenstreich oder eine lustige Mutprobe. Hier ist Folgendes passiert: Eine Frau soll ohne ihren Willen an gewissen Körperstellen berührt werden. Eine Frau, und das kann ich leider gar nicht oft genug sagen, ist aber kein Spielzeug oder ein Objekt, über das ein Mann einfach so verfügen kann. Eine Frau hat einen Willen und ist ein Subjekt, dass Mann ernstzunehmen hat, wie er auch einen Mann ernstnehmen würde. Es gibt da keinen Unterschied von Hierarchie oder sonst etwas. Dass Mann immer mal wieder denkt, er kann eine Frau einfach anfassen, muss man leider immer wieder in Diskos oder auch bei älteren Herren im Zusammenhang mit Kellnerinnen feststellen.

Die Empörung von vielen Seiten war nach der Sendung eigentlich vorprogrammiert. Ganz klar ist mir immer noch nicht, warum Menschen, die ich eigentlich für gar nicht so blöde halte, nicht merken, dass hier ganz schön was schief läuft.

Aber scheinbar gibt es in der NeoParadise-Redaktion nicht einen Menschen, der ein Problem darin sieht, einer Frau ungefragt an die Brüste zu grabschen. Ich will nicht soweit gehen zu sagen, dass in der Redaktion nur Leute sitzen, die mit sexueller Belästigung kein Problem haben. Ich denke sogar, dass es Leute sind, die sexuelle Belästigung als ein Problem der Gesellschaft anerkennen. Leider sind es dennoch offenbar Menschen, die dummerweise gar nicht wissen, was sexuelle Belästigung bedeutet.

Das hat nichts mit political correctness zu tun

Die Welle der Empörung ist auch nicht eine Welle von Spaßwegschiebern, die einen auf politisch korrekt machen. Einen Menschen sexuell zu belästigen ist weder Bagatelle noch Kavaliersdelikt. Es ist ein Straftatbestand. (Punkt.)

Das ZDF scheint das Problem mit der Antwort

„Joko Winterscheidt nahm die ihm gestellte Aufgabe an, tatsächlich waren die Berührungen aber lediglich angedeutet. Die Messehostess wurde von ihm aber nicht angefasst.“ (http://derspringendepunkt.tumblr.com/post/33359562948/beschwerdemail-antwort-des-zdf)

offenbar auch noch nicht erkannt zu haben.

Die Darstellung, man könne einer Frau ungefragt irgendwo hinfassen und das ist dann irgendwie lustig, sorgt für eine Kultur, die es absolut in Ordnung findet, wenn Frauen als Objekte betrachtet werden; mit der Mann tun kann, was Mann gern will. Leute, das geht vorn und hinten nicht!

Und noch’n Witz über Vergewaltigungsopfer

Da das nicht schon schlimm genug wäre, legt Klaas noch einen drauf:

„Der war das auch so unangenehm. Die stand da und hat sich richtig entwürdigt gefühlt.“

Klaas hat es erkannt. Ein Mensch wurde seiner Würde beraubt. Die unantastbare Würde, die jedem Menschen (nicht nur Männern) durch unser Grundgesetz garantiert wird, wurde beschädigt. Wie kann jemand, der diese Worte auch noch in den Mund nimmt, tatsächlich eingestehen, dass dieses Material in die Sendung kommt? Und wie kann das ZDF sowas dann bitte auch noch senden? Pennen die da?

Und der schärfste „Witz“ kommt dann:

„Die fährt jetzt gleich nach Hause und dann wird die schön heulen unter der Dusche. Die steht dann sechs Stunden lang unter die Dusche.“

Opfer von Vergewaltigungen haben oft das Bedürfnis sich nach einer Tat zu duschen. Scheinbar muss das für Klaas eine unglaublich lustige Sache sein. Anders ist doch so ein Kommentar nicht zu verstehen. Zu behaupten, die Nummer ging auf Jokos Kosten, ihn als Vergewaltiger darzustellen, verharmlost die ganze Sache einfach nur.

Ich hoffe, dass irgendwie auch dem (und durchaus auch der) Letzten klar geworden ist, dass die Aufregung zu dem Video nichts mit „Berufsempörern“ oder „Moralapostelei“ zu tun hat.

Und wenn jeMANNd das immer noch nicht kapiert hat:

Stell dir vor, du wurdest als Junge von deinem Onkel vergewaltigt. Dann stehst du irgendwo nichts ahnend in der Gegend rum und ein Homosexueller greift dir an die Eier und lacht dann, dass du dich jetzt bestimmt erstmal ein paar Stunden unter die Dusche stellen musst.

Voll lustig, oder?

Das Video wurde von mir absichtlich nicht gepostet, ich möchte ungern Klickzahlen dafür erhöhen. Wenn es jemand sehen will, wird er oder sie es schon finden.

Du willst es doch auch!

Immer wieder kommt es vor, dass Menschen innerhalb oder auch außerhalb von Beziehungen die Lust auf Sex verspüren. Dazu braucht man jedoch immer zumindest eine weitere Person. Hat man die erstmal, ist es eine durchaus schöne Sache. Zumindest, wenn es die weitere beteiligte Person auch möchte.

„Nein“ ist „Nein“

Das ist jedoch nicht immer der Fall. Häufig kommt es vor, dass sich eine Person mehr oder weniger dazu nötigen lässt. Häufig ist es so, dass vor allem Frauen sich dazu „überreden“ lassen, um ihrem Partner einen „Gefallen“ zu tun. Da fallen Sätze von ihm wie der genannte „Du willst es doch auch!“ und weitere Überredungskünste kommen an den Tag. Aber mal ehrlich. Woher wisst Ihr lieben Jungs denn, dass sie „es“ auch will? Seit wann habt Ihr denn Star Trek-mäßig telepathische Fähigkeiten entwickelt? Schon mal daran gedacht, dass wenn Frau „Nein“ sagt, sie vielleicht auch „Nein“ meint? Lest mal nicht so viele Übersetzungsbücher von Mario Barth! (http://www.langenscheidt.de/produkt/5184_2/Langenscheidt_Frau-Deutsch_Deutsch-Frau_2-Buch/978-3-468-73194-5 Ein Blick ins Buch auf Seite 15 beispielsweise zeigt Barths telepathischen Fähigkeiten.)

Zugegeben, ich habe über dieses Thema schon das ein oder andere Mal mit Frauen gesprochen. Ich hörte auch Aussagen wie: „Naja, also, so ein bisschen erobert möchte Frau ja auch werden und wenn, dann ziere ich mich da gern mal etwas und sag auch mal ‚Nein‘ zum Sex in der Hoffnung, dass mein Freund mich dann trotzdem auf’s Bett wirft. So ein bisschen Spiel brauche ich schon.“ (Aussage sinngemäß, Person anonym.) Nun gut, was jetzt? Hat Mario Barth doch Recht? Nein, hat er natürlich nicht.

Ich möchte auch keinem Paar die Lust am Erobern oder am Vorspiel oder was auch immer nehmen. Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass das gezeigte Beispiel nicht zwingend für jede Frau steht. Ein „Nein“ kann tatsächlich ein „Nein“ sein. Man(n) stelle sich vor, ja, Frau will nicht immer und hat tatsächlich einen eigenen Willen, gucke an. Und diese Tatsache ohne irgendwelche Überredungskünste zu akzeptieren, hat etwas mit Respekt zu tun, meine lieben Herren. Die Praxis, seine Partnerin jedes Mal zu fragen, ob dies oder jenes in Ordnung ist oder nicht, muss jedes Paar für sich entscheiden. Wenn „sie“ auf Eroberung steht, mein Gott, bitte! Aber in eurem beiderseitigen Interesse, macht Euch doch ein Wort aus, dass dem jeweils anderen zeigt, „das Spiel ist vorbei, ich hab wirklich keine Lust.“

Besser wäre dennoch zu fragen. Nur weil „sie“ sich nicht äußert, ob sie das gerade mag oder nicht, heißt das nicht „mach ruhig, ich hab ja nicht nein gesagt“. Eine gewisse Sensibilität wäre dabei durchaus angebracht. Denn vermutlich möchte niemand gern als Vergewaltiger der eigenen Freundin oder Frau dastehen. Nicht im zwingend rechtlichen Sinne, aber definitiv moralisch betrachtet, könnte man das schon vorwerfen. Sicherlich nicht der schönste Titel, mit dem Man(n) sich schmücken möchte.

„Date Rape“

Bei Singles gilt übrigens das Gleiche. Eine Frau kennen zu lernen, in einer Bar, in einer Disko, alles schöne Sachen. Gemeinsam was trinken, schöne Sache. Sich volllaufen lassen, oder „sie“ gar abfüllen, um sie – wie es so schön heißt – „gefügig“ zu machen, echt uncool. Im Englischen gibt es dafür mittlerweile einen Begriff „Date Rape“ (etwa: Vergewaltigung beim Date).

„Date Rape ist nicht einvernehmlicher Geschlechtsverkehr, bei dem weder eine ausdrückliche Verweigerung noch eine Gewaltanwendung stattfindet. Der Tatbestand ist dabei lediglich in der nicht eindeutigen Einvernahme beider Geschlechtspartner zu finden (‚Ich habe nicht ja gesagt, ich habe aber auch nicht nein gesagt‘).“ (wikipedia.de)

Genau dies passiert, weil – um nochmal Wikipedia zu zitieren – „normalerweise vorher niemand [fragt] ‚Möchtest du jetzt Sex haben, ja oder nein?'“.

Daher mein Plädoyer an dieser Stelle: Einfach mal mit Fragen versuchen und nicht mit Telepathie!

Mehr Infos zum Thema „date rape“ findet ihr hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Date_rape oder auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Date_Rape.